Mittwoch, November 30, 2022

Am Ende sind es die Spieler, die es auf dem Platz vermasseln

EINAls am Freitagabend das Spiel gegen Ungarn zu Ende war und die Niederlage gegen Ungarn besiegelt war, war offensichtlich, wie sehr die 0:1-Niederlage Hansi Flick zugesetzt hatte. Das aber weniger, denn es war die erste Pleite, die der Bundestrainer im 14. Spiel seiner kurzen Amtszeit hinnehmen musste. Es war das Gesamtpaket, das an diesem Abend nicht stimmte.

Flick war in seiner Analyse danach sehr klar. Er ging sogar so weit, „einen Teil davon“, wie er es ausdrückte, „auf meine Schulter“ zu nehmen. Der Trainer bezog sich auf das Experiment mit zwei offensiven Außenverteidigern. Er ließ Jonas Hofmann rechts und David Raum links spielen. In der zweiten Halbzeit korrigierte er, indem er Hofmann weiter nach vorne zog. Thilo Kehrer kam ins Spiel und komplettierte eine neu formierte Dreierkette.

Es spricht für Flick, dass er das so offen angesprochen hat. Es ehrt ihn. Aber am Ende waren es die Spieler, die es auf dem Platz vermasselten und keinen Weg fanden, den Ball ins gegnerische Tor zu bringen, gegen eine nahezu perfekt in der Abwehr agierende ungarische Nationalmannschaft.

Die Niederlage ist ein Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt. Ein Weckruf – vor der WM in Katar, die in knapp zwei Monaten beginnt.

Vor dem Spiel gegen Ungarn sagte Hansi Flick, er wolle nach der Länderspielreise jeden Nationalspieler vor Beginn des Turniers entwickeln sehen. Er betonte, dass es nun an jedem Einzelnen liegt, an sich zu arbeiten und zu überlegen, in welchen Bereichen er sich verbessern kann oder sogar muss. Nach dem Spiel am Freitagabend sind die Spieler mehr denn je gefordert, diese Botschaft zu verinnerlichen.

Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Trainer im Vergleich zu früheren Turnieren diesmal nicht die Möglichkeit haben, vorher in einem Trainingslager gewisse Dinge zu lernen oder auszuprobieren. Es ist einfach keine Zeit dafür. Die vier Tage, die das Team nach dem 15. Spieltag für ein Trainingslager im Oman verbringen wird, bevor es nach Katar geht, werden nicht ausreichen.

So ehrlich und klar der Bundestrainer in seiner Analyse war, so alarmierend waren die Worte von Thomas Müller. „Man hat bei vielen gemerkt, dass die Phase im Verein nicht die einfachste ist. Wir haben die Power auf dem Platz nicht bekommen“, sagte der Münchner – und befeuerte damit ein Thema, das in den vergangenen Tagen auch in der Nationalmannschaft präsent und viel diskutiert worden war: die Krise beim FC Bayern.

Hatte man früher oft das Gefühl, dass die Tage mit der Nationalmannschaft eine Art Heilkur waren und die Nationalspieler viel freier spielten, weit weg von ihren Alltagssorgen, zeigte das Spiel gegen Ungarn, dass die Probleme beim FC Bayern offensichtlich sind tiefer, als manche Leute glauben zu glauben schienen. Lediglich Joshua Kimmich wusste hier und da zu überzeugen, doch Müller, Leroy Sané oder Serge Gnabry konnten in der Offensive keine Akzente setzen – Gnabry musste sogar zur Pause raus. Mitte der zweiten Halbzeit kam Jamal Musiala. Bei ihm wurde es etwas besser. Aber es spricht weder für die deutsche Nationalmannschaft noch für die Bayern, dass der 19-Jährige nun eine Art Hoffnung auf bessere Momente in einem Spiel ist.

Kommt es in den kommenden Wochen nicht zu einer Trendwende in München, könnte aus der Krise des FC Bayern auch eine Krise der Nationalmannschaft werden. Der Bundestrainer sagte, die Situation im Verein könne keine Ausrede sein. Aber die Gefahr ist da, zumal nicht nur die Münchner etwas schwächeln. Timo Werner etwa konnte im Sturm nicht überzeugen – und bei seinem Klub RB Leipzig läuft es auch unter dem neuen Trainer Marco Rose nicht rund. Einem Sieg gegen den BVB folgten zwei Niederlagen in Madrid und Mönchengladbach.

Immerhin hat die Mannschaft von Hansi Flick am Montag im Nations-League-Spiel in England die Möglichkeit, besser abzuschneiden – und ihre Kritiker eines Besseren zu belehren. Diese Chance sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

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